Geschichte

Jena_um_1900_bis_1906Die Katholische Deutsche Studentenverbindung Sugambria wurde am 30. Mai 1902 an der Universität Jena gegründet. Die Gründer, meist aus dem Siegerland stammend, wählten den Namen der Verbindung in Anlehnung an den germanischen Stamm der Sugambrer. Jena war zu diesem Zeitpunkt die letzte deutsche Universität, an der noch keine katholische Verbindung existierte. Ihre Gründung fällt in die Zeit des akademischen Kulturkampfes.

Sugambria nahm die Farben violett-gold-grün bei violettem Seidenstürmer auf. Als Prinzipien wählte sie religio, scientia, amicitia, das Cartell-Prinzip patria folgte 1907. Die Fuxenfarben violett-gold-violett wurden 1919 in Rücksicht auf die Schwarzburgverbindung Allemania in violett-gold umgewandelt.

Schnell zeigte sich, dass insbesondere die ortsansässigen Burschenschaften und die vier Corps gewillt waren, der Verbindung das Farbentragen zu verwehren. Sie empfanden eine farbentragende katholische Studentenverbindung im protestantischen Jena als Provokation und warfen Sugambria „Vaterlandsverrat“ und „Romhörigkeit“ bzw. „Ultramontanismus“ vor. In den folgenden Monaten kam es immer wieder zu teils handgreiflichen Auseinandersetzungen. Nach einem Fackelzug der Gegner Sugambrias am Aschermittwoch 1904, bei dem nicht nur die Sugambrer, sondern der katholische Glaube und die Kirche beleidigt wurden, entschloss sich der Senat der Universität, um weiteren Auseinandersetzungen aus dem Wege zu gehen, gegen Sugambria ein Farbenverbot zu verhängen. Der Beschluss des Senats lautete: „Studentische Verbindungen, welche wesentlich religiöse, konfessionelle Zwecke verfolgen, sowie solche, welche als Mitglieder statutengemäß ausschließlich Angehörige einer Konfession aufnehmen, dürfen keine Farben tragen!“ Eine derartige Verwaltungsmaßnahme gegen eine rechtmäßig bestehende, farbentragende Verbindung war in ganz Deutschland einzigartig.

Das Farbenverbot für Sugambria dauerte von 1903 bis 1918. Erst das gemeinsame Fronterlebnis der Studenten während des Ersten Weltkriegs führte zu einem Ausgleich, der schließlich 1921 in das Erlanger Verbände- und Ehrenabkommen mündete, das die Ehrenangelegenheiten zwischen schlagenden und nichtschlagenden Bündern regelte. Cheruscia Münster als Vorort (Kriegsvorort) des Cartellverbands schlug 1918 Sugambria als nachfolgende Vorortsverbindung vor. Wegen der geringen Aktivenzahl musste die Verbindung aber ablehnen.

Jena_Innenstadt_1920.jpegIn der Zeit der Weimarer Republik erlebte Sugambria eine Blütezeit stetigen Wachstums. Zum 25. Stiftungsfest unter Senior Georg Diedrich waren 40 Cartellverbindungen aus Deutschland, Österreich und Böhmen, angeführt vom Vorort Sauerlandia Münster, in Jena erschienen. 1929 fand der CV-Altherrentag in Jena statt. Ein Höhepunkt des Verbindungslebens waren seit 1902 die Rudelsburgfeste mit Burgundia Leipzig und Silesia Halle, später kam Saxo-Thuringia Dresden hinzu.

In der Zeit des Dritten Reiches wurde das Leben für die Verbindung immer schwieriger. Das nationalsozialistische Regime sah im korporationsstudentischen Wesen einen Feind ihrer Ideologie. Nach anhaltendem Druck löste sich die Verbindung 1935 auf, lebte aber als Freundeskreis alter Sugambrer bis 1945 weiter.

Nach dem Untergang des Dritten Reiches war eine Wiederbegründung in der sowjetisch besetzten Zone nicht möglich.

Insbesondere auf Initiative des damaligen Erzbischofs von Paderborn, Lorenz Kardinal Jäger, und unter Mithilfe des Göttinger Palaten Klaus Stemmer gelang 1948 die Wiederbegründung Sugambrias an der Georg-August Universität in Göttingen. Sugambria ernannte Kardinal Jäger 1949 zu ihrem (bisher einzigen) Ehrenmitglied. Die Verbindung kehrte nicht mehr zum Jenenser Stürmer zurück und entschied sich für violette Samtmützen als einzige Kopfcouleur.

Die 1950er und 60er Jahre wurden zu einer zweiten Blütezeit. 1962 bezog Sugambria ihr Verbindungshaus im Göttinger Ostviertel. Nach Zeiten des unbeschwerten Daseins warfen die 68er-Unruhen und ihre Folgen auch einen Schatten auf das Korporationswesen an der Georg-August-Universität. Sugambrias Rezeptionszahlen gingen merklich zurück. Doch die G?ttingen LuftbildVerbindung überlebte die 1970er Jahre und konnte sich in den 1980er und 90er Jahren erholen. 1995 knüpften aktive Sugambrer Kontakte zu katholischen belgischen Verbindungen an der flämischen Katholischen Universität Leuven. Seitdem wurden bis heute immer wieder belgische Studenten, die ihre Auslandssemester an der Georg-August-Universität verbringen, bei Sugambria aktiv. Daher wohnen die meisten Alten Herren außerhalb Deutschlands in Belgien.

Das 100. Stiftungsfest feierte Sugambria 2002 in Jena. Heute nach NS- und SED-Diktatur ist nicht mehr viel vom Zauber der alten Musenstadt übrig. Die Verbindung fühlt sich in ihrem Beschluss von 1990, nicht an die Universität Jena zurückzukehren, bestätigt. Mittelpunkt des Verbindungslebens ist das Sugambrerhaus in der Planckstraße 5.

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